Remote Work und Homeoffice – das sagt die Wissenschaft

Aktuell ist die Corona Pandemie leider in aller Munde und unsere Arbeitswelt ist dadurch in extremer Veränderung. Viele Unternehmen stellen deshalb in beeindruckender Geschwindigkeit von einem Tag auf den anderen auf Remote Work und Homeoffice um. Darunter sind auch viele Firmen, die bisher keine oder eher strikte Regelungen für Remote Work und Homeoffice hatten.

In unserem Magazin starten wir deshalb die Reihe “Corona Spezial” zu Zusammenarbeit im Kontext von Remote Work und Homeoffice. Dabei greifen wir fundierte Erkenntnisse aus der Wissenschaft genauso auf wie Erfahrungen aus der Praxis. Jede Woche beschäftigen wir uns dabei mit diesen spannenden Themen, die sicherlich auch über die Krisensituation hinaus von größter Relevanz sind.

Metaanalyse zu Remote Work mit spannenden Erkenntnissen

Wir starten unsere Reihe mit einer Metaanalyse von Gajendran und Harrison (2007), die bereits sehr spannende und vor allem fundierte Erkenntnisse beinhaltet. Eine Metaanalyse zeichnet sich dadurch aus, dass zahlreiche bereits durchgeführte wissenschaftliche Primärstudien noch einmal neu auf einer aggregierten Ebene ausgewertet werden. Das hat den großen Vorteil, dass verzerrte Ergebnisse der einzelnen Studien korrigiert und dadurch ein aussagekräftigeres Gesamtergebnis erzielt wird. Natürlich gibt es bei Metaanalysen auch einige statistische und konzeptionelle Einschränkungen, die wir allerdings an dieser Stelle nicht vertiefen möchten.

In die vorliegende Metaanalyse sind insgesamt 46 Primärstudien mit über 12.000 Mitarbeitenden eingeflossen. Es handelt sich also um eine sehr breite Datenbasis, die in Primärstudien selten in vergleichbarer Form vorliegt. Das ist uns auch deshalb wichtig, weil aktuell viele Medien und viele Firmen ihre individuellen Erfahrungswerte zu Remote Work und Homeoffice veröffentlichen, aber oftmals auf einer subjektiven Datenbasis von 10-50 Personen. Das ist zweifellos als Erfahrungsbericht spannend, aber je systematischer und umfassender die Datenbasis, umso aussagekräftiger und verallgemeinerbarer sind eben auch die Ergebnisse. Das ist das gleiche Prinzip, das wir auch bei unseren Kunden bei Pulsbefragungen, Mitarbeiterbefragungen und anderen Feedbackformaten anwenden.

Aus wissenschaftlicher Perspektive müssten wir uns jetzt lange mit der Bezeichnung Remote Work oder Homeoffice und der definitorischen Abgrenzung auseinandersetzen. In der vorliegenden Metaanalyse wird von „Telecommuting“ gesprochen, was den deutschen Begriffen und der aktuellen Situation der Heimarbeit am Computer durchaus nahekommt. Insofern handhaben wir das an dieser Stelle pragmatisch und setzen uns lieber mit den konkreten Ergebnissen der Metaanalyse auseinander.

Häufigkeit der Arbeit von Zuhause aus relevanter Einflussfaktor

Wenig überraschend spielt der Umfang von Remote Work oder Homeoffice eine zentrale Rolle bei den Konsequenzen und Stellschrauben. In der Studie werden die Ergebnisse differenziert betrachtet, ob die Mitarbeitenden länger als 2,5 Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten. Das ist in der aktuellen Situation sicherlich bei den allermeisten Betroffenen der Fall, so dass insbesondere diese Ergebnisse spannend sind. Um Ihre Mitarbeiter vor dem Corona Virus zu schützen, haben vielen Betrieben Homeoffice erstmal auf unbegrenzte Zeit eingeführt. Dabei zeigt sich, dass die Beziehung zu den Kolleginnen und Kollegen gefährdet ist, wenn so häufig von zuhause aus gearbeitet wird. Positiv ist dagegen auch bei häufiger Remote Work und regelmäßigem Homeoffice, dass die wahrgenommene Autonomie höher ist. Interessant ist dabei, dass die Beziehungsqualität zur Führungskraft weniger unter häufiger Remote Work und regelmäßigem Homeoffice leidet, als die Beziehung zu den Kolleginnen und Kollegen.

Der Zusammenhang zwischen Remote Work oder Homeoffice und der Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden ist leicht positiv. Er hängt dabei allerdings maßgeblich von der wahrgenommenen Autonomie ab. Bei der Arbeitsleistung und Produktivität zeigt die Selbsteinschätzung der Mitarbeitenden keine Effekte. Interessant ist aber, dass die Einschätzung durch Führungskräfte oder durch dokumentierte Arbeitsleistungen einen leichten positiven Zusammenhang aufweist. Zumindest führt Remote Work oder Homeoffice diesen Ergebnissen nach zu schließen nicht per se zu Unzufriedenheit oder zu geringerer Arbeitsleistung, was teilweise in den Diskussionen unterstellt wird.

Tipps und Tricks für die konkrete Gestaltung von Remote Work und Homeoffice

Erst einmal lassen sich aus diesen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen einige Mythen über Remote Work und Homeoffice entkräften. Das ist schon einmal ein sehr großer Mehrwert, da es sich aktuell um ein polarisierendes Thema handelt. Darüber hinaus lassen sich einige Implikationen daraus ziehen, die Ihnen direkt bei der praktischen Gestaltung helfen können.

So sind unterstützende und informelle Maßnahmen und Formate für den Austausch innerhalb des Teams von sehr großer Bedeutung, da hier eine Gefahr bei Remote Work oder Homeoffice lauert. Unser Instant Feedback und die darin enthaltenen Auszeichnungen sind ein Ansatz, der Kommunikation und Zusammenarbeit auf dieser Ebene unterstützt. Ebenfalls von großer Bedeutung ist es, dass Mitarbeitende ein Gefühl von Produktivität haben. Sichtbare Fortschritte und messbare Erfolge können somit dazu beitragen, dass die Motivation auch mittel- und langfristig aufrechterhalten wird. Hier können moderne Formate des Performance Managements helfen, wie wir es bei vielen Kunden einsetzen.

In unserem Blogpost dieser Reihe “Corona Spezial” in der nächsten Woche beschäftigen wir uns mit praktischen Herausforderungen bei Remote Work und Homeoffice. Dabei geht es insbesondere um konkrete Formate der digitalen Kommunikation und virtuellen Zusammenarbeit. Viel Erfolg bis dahin und bleiben Sie vor allem gesund!

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